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Wegezeiten in Lager und Produktion reduzieren

In den meisten KMU-Betrieben verbringen Mitarbeiter einen erheblichen Teil ihres Arbeitstages mit Laufen — ohne dass es jemandem auffällt, weil "es ist halt so". Fünf Maßnahmen, die in jedem Betrieb sofort wirken — ohne neue Software und ohne Großprojekt.

Tim Hahnenfurth ·Veröffentlicht 28. April 2026

Warum Wegezeiten der unterschätzte Kostenfaktor sind

Wegezeiten sind unsichtbar. Niemand stoppt sie, niemand bucht sie auf einen Auftrag, sie tauchen in keiner Kostenstelle auf. Genau deshalb sind sie der teuerste Posten in der Intralogistik, den die meisten Betriebe nicht kennen.

Eine Faustregel aus der Praxis: Wenn ein Mitarbeiter in einem mittelgroßen Lager täglich 30 Minuten unnötig läuft, sind das auf 200 Arbeitstage pro Jahr 100 Stunden — pro Person. Das fällt nicht auf, weil nirgendwo "Laufzeit" als Position auftaucht. Aber es kostet.

5 Maßnahmen die sofort wirken

1. ABC-Zonierung — die häufig genutzten Teile nach vorne

Nicht jedes Teil hat dieselbe Umschlagshäufigkeit. Wer 80% seiner Picks aus 20% der Lagerplätze tätigt, sollte diese 20% in Greifnähe haben. Das ist banal — und in den meisten gewachsenen Lagern nicht so umgesetzt. Die ABC-Zonierung ist die Maßnahme mit dem besten Aufwand-Nutzen-Verhältnis: messbar, ohne Investition, und auch ohne externe Beratung umsetzbar.

2. Übergabepunkte definieren statt suchen

Wo genau wird Material zwischen Lager und Produktion übergeben? Wenn die Antwort "kommt drauf an" lautet, entstehen Suchzeiten. Ein klar markierter Übergabepunkt mit definierter Belegungsregel kostet nichts und spart pro Schicht oft 15 bis 30 Minuten Suche.

3. Transportmenge pro Fahrt erhöhen

Eine Fahrt mit zwei Kisten dauert genauso lang wie eine mit einer. Trotzdem wird oft pro Pickauftrag eine Fahrt gemacht. Wer Aufträge bündelt oder mit Kommissionierwagen mehrere Aufträge gleichzeitig abarbeitet, halbiert seine Fahrten — bei gleicher Personalstärke.

4. Laufwege kennzeichnen und entzerren

Wenn Wege sich kreuzen, entstehen Wartezeiten und Beinahe-Unfälle. Markierte Hauptverkehrsachsen — auch im Kleinen, eine gelbe Bodenmarkierung reicht — lenken Bewegungen und entzerren. Klingt nach Großbetrieb, funktioniert aber auch in 800-m²-Hallen.

5. Das richtige Transportmittel für die richtige Aufgabe

Hubwagen für Paletten, Kommissionierwagen für Kleinteile, Plattformwagen für sperriges Gut. Wer mit dem falschen Gerät unterwegs ist, läuft öfter, hebt mehr und ist langsamer. Eine kurze Bestandsaufnahme der Transportgeräte und ihrer tatsächlichen Verwendung deckt oft erheblichen Optimierungsbedarf auf.

Was zuerst angehen?

Nicht alles auf einmal. Praxisempfehlung: Mit ABC-Zonierung beginnen — sie ist messbar, betrifft jeden Pick und ist auch ohne externe Beratung umsetzbar. Wer die Wirkung sehen will, misst vorher und nachher die durchschnittliche Pickzeit pro Auftrag. Der Effekt ist meist innerhalb weniger Wochen sichtbar.

Autor

Tim Hahnenfurth

Tim Hahnenfurth

Gründer & Geschäftsführer LOGINAUTEN GmbH · Dipl.-Logistiker

Über 20 Jahre Intralogistik-Erfahrung in Großprojekten bei Audi, VW, Siemens, Zalando, EOS und vielen mehr. Übersetzt Konzern-Erfahrung in Lösungen, die im KMU-Alltag funktionieren — ohne Großprojekt-Overhead.

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